Mit dieser Aussage bringt Warren Buffett auf seine geniale Art und Weise das Ergebnis seiner im Jahr 2007 angetretenen Wette auf den Punkt. Damals wettete Buffett mit einem Hedgefondsmanager, dass er über einen Zeitraum von 10 Jahren mit dem passiven Investment in einen breiten Indexfonds (also stumpfes Buy&Hold) einen aktiv gemanagten Fonds im Renditeergebnis schlagen würde. Diese Wette hat er sehr deutlich gewonnen, wie man letztes Jahr an verschiedenen Stellen nachlesen konnte. Die F.A.Z. nennt es sogar einen "atemberaubenden Wettsieg". Etwas detaillierter und sachlicher könnt ihr es hier nachlesen.

Er zeigt damit zum einen, dass ihr kein Wirtschaftsgenie sein müsst, um eine ordentliche Performance zu erzielen. Das betont Buffett seit Jahren immer wieder. Gleichzeitig richtet er mit dieser Aussage eine ganz klare Kritik an all die Berater und Verwalter, die es trotz hoher Gebühren keinesfalls schaffen, eine bessere Rendite zu erzielen als ein einfacher passiver Indexfonds.

Buy&Hold

Klar, Buy&Hold ist ziemlich uncool im Vergleich zur neusten hippen Strategie, die uns mit komplizierten (meist geheimen) Indikatoren und vielen bunten Linien, den Blick auf das Wesentliche vernebelt und uns schicke Performancekurven vorgaukelt, die sich in der Realität doch eher als Luftnummern entpuppen. Doch Buy&Hold auf einen breiten Markt funktioniert, bringt Rendite und kostet fast nichts wie wir im letzten Artikel gezeigt haben.

Jeden Euro den ihr nicht ausgebt, müsst ihr auch nicht wieder verdienen!

So logisch und einfach dieses Prinzip auch ist, so groß ist die Gefahr dennoch in die Gebührenfalle zu tappen – mich nicht ausgenommen wie ihr hier in einem älteren Erfahrungsbericht nachlesen könnt. Dass Gebühren einen entscheidenden Anteil am Erfolg haben, sollte sich jeder Börsianer immer wieder klarmachen. Leider noch größer ist die Gefahr einem vermeintlichen Experten auf den Leim zu gehen, der verspricht es besser zu machen als ihr.

Im letzten Artikel haben wir gezeigt, was das stumpfe Investieren in einen breiten Index-ETF tatsächlich bringt. Dem aufgeweckten Leser wird vielleicht aufgefallen sein, dass auch unsere Darstellung nicht ganz richtig ist. Denn was in den Performancekurven nicht enthalten ist, sind die Dividenden, die es noch oben draufgibt. Derzeit sind es beim ETF auf den SP500 (mceclip0%20%281%29.pngSPY) gut 2 %. Klingt nicht viel, aber über den im Artikel dargestellten Zeitraum von 12 Jahren (2007-2019) hätte man insgesamt 48 mal Dividende kassiert, was einer kumulierten Gesamtdividende von 41,38 $ pro Aktie entspricht. Zu den 84,3 % Kursanstieg kommen also noch mal 29,1 % an Dividendenzahlungen hinzu (vor Steuern). Selbst für den Nasdaq100 gab es 22,3 % zusätzlich. In Anbetracht von derzeit 0,5 % pro Jahr aufs Tagesgeld, keine schlechte Zusatzrendite.

Quelle: Eigene Analyse

Die Zahlen lügen nicht

Die oben erwähnten Daten sind für jeden leicht und kostenlos zugänglich und man muss kein Mathegenie sein, um die Berechnungen nachvollziehen zu können. Und dennoch sind viele von uns permanent auf der Suche nach der nächsten Performancerakete oder einer geheimen Börsenstrategie, die nun endlich zum ersehnten Durchbruch führen soll. Dabei geben nicht wenige tausende von Euros für Seminare, Coachings und sonstige Dienstleistungen aus, damit sie ihrem Ziel endlich ein Stück näherkommen.

Nur wer dabei ist (und bleibt!), kann gewinnen!

Leider gehört Geduld nicht zu den Stärken des Menschen und erwiesenermaßen schmerzt uns ein Verlust deutlich mehr als uns ein Gewinn Freude bereiten würde. Vor allem wenn es um das sehr emotionale Thema Geld geht. Daher ist es auch ein stückweit verständlich, dass auch zu einem Buy&Hold-Ansatz eine ordentliche Portion Mut und auch gute Nerven gehören. Denn beides benötigt man vor allem in den Phasen, wo die Kurse an den Börsen nur eine Richtung kennen – steil bergab. Eine Reduzierung seines gesamten Anlagevermögens um 50-60 % wie in der Finanzkrise 2008 oder nach dem Platzen der Dot-Com-Blase 2001 lässt vermutlich auch einen erfahrenen Investor nicht mehr ganz so gut schlafen. Doch genau das sollte man in dieser Phase eben tun: Ruhe bewahren und nicht am Tiefpunkt alles verkaufen. Zugegebenermaßen eine echte Herausforderung!

Wer braucht schon Glaskugeln?

Glaskugel

Heute wollen wir euch mal einen einfachen Ansatz vorstellen, der in der Vergangenheit erstaunlich gute Dienste geleistet hat, wenn es darum ging, die heftigsten Einbrüche an der Börse zu umschiffen. Es handelt sich hierbei um die Arbeitslosenquote in den USA (Civilian Unemployment Rate, kurz UER). Diese wird jeden Monat - natürlich kostenlos – veröffentlicht. Historische Daten lassen sich bis ins Jahr 1948 frei herunterladen.

Die Arbeitslosenquote stellt einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar, um eine Information über den Gesundheitszustand der Wirtschaft zu bekommen. Wenig verwunderlich ist es daher, dass es in Zeiten von Wirtschaftskrisen zu einem starken Anstieg der Arbeitslosenquote kam. Interessant ist hingegen, dass der obere Scheitelpunkt erst ein paar Monate nach Beendigung der offiziellen Rezession (hellgraue Periode) erreicht wurde. Und für uns Börsenhändler noch viel interessanter ist es zu sehen, dass bereits vor der offiziellen Rezession ein Tiefpunkt erreicht wurde. Oha! Ist das etwa unsere herbeigesehnte Glaskugel??

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Quelle: FRED Federal Economic Research

Dazu schauen wir uns im nächsten Schritt an, was denn die Märkte, im speziellen der SP500, zu diesem Verlauf sagen. Zusätzlich wird die Arbeitslosenquote noch mit einem gleitenden Durchschnitt über die letzten 12 Monate geglättet (SMA12). Und fertig ist unser vorlaufendes Warnsystem! Mit einer einfachen Regel:

  • Liegt die Arbeitslosenquote über dem Durchschnitt, steige ich aus und halte ich mich von den Aktienmärkten fern bis sie wieder darunterfällt.

So einfach?? Ja, so einfach!

Und was bringt’s??

Im Diagramm unten sehen wir erneut den Rendite-Verlauf des SPY als B&H-Investment (SP500 – grüne Linie), diesmal beginnend im Jahr 1996 damit wir sehen, wie sich das Ampelsignal während der zwei großen Börsencrashs geschlagen hätte. Grau hinterlegt sind wieder die beiden offiziellen Rezessionen. Die rote Strichlinie markiert jeweils unser Ausstiegssignal, also wenn die Arbeitslosenquote über ihrem gleitenden Durchschnitt schließt. Tatsächlich: Jedes Mal wären wir vor den Rezessionen und den damit verbundenen großen Kurseinbrüchen aus dem Aktienmarkt ausgestiegen. Die heftigen Drawdowns wären uns in der Tat erspart geblieben.

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Quelle: Eigene Untersuchungen mit Daten von Yahoo Finance

Hätte man dieses Signal so umgesetzt und wäre wieder eingestiegen, wenn die Arbeitslosenquote wieder unter ihrem Durchschnitt geschlossen hätte, so ergibt sich die schwarze Kurve (Strategie mit UER-Filter). Das Umschiffen der Kursrückgänge 2001 bzw. 2008 hätte im betrachteten Zeitraum eine Gesamtrendite von 567 % eingebracht gegenüber 307 % bei einer reinen Buy&Hold-Strategie. Kein schlechtes Ergebnis in Anbetracht dessen, dass die Daten frei zugänglich sind und die Umsetzung mit einem ETF mit extrem niedrigen Kosten verbunden sind. Hätte, hätte…

Die aktuelle Lage

Rezession

Das vergangene Börsenjahr 2018 war mit einigen Turbulenzen verbunden und vor allem im Dezember gab es deutliche Kursrückgänge in allen Märkten. Für den SPY (SP500) steht für das Jahr 2018 ein Minus von 6,7 % in den Büchern. Verständlich, dass in diesen unsicheren Zeiten die Stimmen derer wieder lauter werden, die bereits seit einigen Jahren einen Börsencrash vorhersagen. Irgendwann werden sie rechtbekommen. Doch der Blick auf die aktuelle Arbeitslosenquote zeigt uns, dass die Quote seit der letzten Veröffentlichung auf dem gleitenden Durchschnitt liegt. 

Noch ist das Signal also nicht aktiv!

Eine ähnliche Situation gab es auch Anfang 2016 schon einmal, danach legte der SP500 einen Anstieg von gut 30 % hin. Und während auch aktuell viele erst mal abwarten, was denn so passiert, kletterte der SPY seit Anfang 2019 bereits um über 6 % nach oben! Wart ihr dabei?

An dieser Stelle stößt dann auch unsere Glaskugel leider an ihre Grenzen, denn sie kann gewiss nicht in die Zukunft blicken, aber vielleicht schärft sie dem ein oder anderen Leser etwas den Blick auf die Dinge und er überdenkt zukünftig noch einmal seine Investitionen und Ausgaben.

Wer trotzdem weiterhin auf der Suche nach

Mehr Rendite mit weniger Risiko!

ist, der darf auf den nächsten Artikel gespannt sein. Natürlich weiterhin völlig frei und kostenlos!

Viel Erfolg an den Märkten wünscht euch

Sven

 

Update Sa. 02.02.2019

Gestern wurde die Arbeitslosenquote für Januar 2019 veröffentlicht. Diese stieg von 3,9 % auf 4,0 %. Damit liegt die Quote über ihrem 12-Monatsdurchschnitt! Auch wenn der Januar 2019 zu den stärksten Monaten seit langem zählte, so sollte nun mit einer erhöhten Vorsicht an den Aktien-Märkten agiert werden.

Wie gesagt, gab es 2016 schon mal eine ähnliche Situation. Damals konnten die Märkte noch mal deutlich zulegen. An eine ähnliche Rally möchte ich diesmal allerdings nicht ganz glauben...

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28.01.2019 | 4510 Aufrufe

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