Die Deutschen sind seit jeher als fleißige Sparer bekannt. Lange Jahre konnten damit auch vorsichtige Anleger schöne Renditen einfahren. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Nullzinsphase lässt hohe Anlagen renditefrei auf Spar-, Tages- oder Termingeldern verkümmern. Viele Bankkunden sind schon froh, wenn sie bei ihrem Geldinstitut keine Strafzinsen bezahlen müssen. Trotz dieser Situation hat der überwiegende Anteil anlagewilliger Kunden ein schlechtes Bauchgefühl bei Investitionen in Aktien. Nur 10 Millionen Deutsche oder ca. 12 % der Bevölkerung partizipieren über Aktien oder Aktienfonds an den langfristig steigenden Kursen. Dieser Anteil ist deprimierend gering. In Ländern wie den USA oder den skandinavischen Ländern liegt die Quote bei 30-50 %. Und auch in vergleichbaren EU-Ländern investieren deutlich mehr Sparer in Aktien.

pexels-karolina-grabowska-4386476%20%281Doch auch die Verteilung des Aktienvermögens innerhalb der Bevölkerung gibt Anlass zur Sorge. Demnach steigt der Aktienanteil des Gesamtvermögens parallel zum verfügbaren Einkommen. Unter dem Strich bedeutet dies nichts anderes als dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich kontinuierlich weiter vergrößert. Dies darf als große Herausforderung für die soziale Gerechtigkeit verstanden werden, denn schon jetzt ist das Gesamtvermögen der Deutschen in den Händen weniger, während die breite Masse keine oder nur wenig finanzielle Reserven besitzt. Dies bietet genug Zündstoff für den sozialen Frieden.

Doch woher kommt die Skepsis gegenüber Aktien? Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig. In jedem Fall ist aber eine extreme Vorsicht in Geldanlagen allgemein und bei Aktien im besonderen festzustellen. Der Crash am Neuen Markt, bei dem sich viele unerfahrene Anleger eine blutige Nase geholt haben, mag dafür mit ursächlich sein. Dazu kommen hohe bürokratische Hindernisse, schwer verständliche Produkte oder unzureichende staatliche Anreize für Investments in Aktien. Die Angst vor Verlusten ist jedoch langfristig gesehen völlig unbegründet. Seit über 50 Jahren existiert kein einziger 15-Jahreszeitraum, bei dem der Anleger auf dem Aktienmarkt ein Minus eingefahren hätte. Die durchschnittliche Rendite lag bei 8,8 %.

Als langfristiges Investment eignen sich Aktien daher in jedem Fall für den allergrößten Teil der Bevölkerung. Besonders die Schwergewichte unter den deutschen, europäischen und weltweiten Unternehmen, die sogenannten Blue Chips bieten ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis. Blue Chips können als Aktien der ganz großen Unternehmen definiert werden, die in hohen Umsätzen an der Börse gehandelt werden. Durch die überdurchschnittlichen Investitionen professioneller oder institutioneller Anleger liegt die Volatilität dieser Aktien deutlich niedriger als bei den Anteilsscheinen kleiner Firmen.

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Ein weiterer Vorteil dieser Werte ist ein langjährig erfolgreiches und leicht verständliches Geschäftsmodell. Volkswagen baut Autos, BASF stellt chemische Produkte her und Bayer ist in der Pharmabranche tätig. Dies ist für den Anleger einfacher zu durchschauen als das Geschäftsmodell von Start-ups aus der E-Commerce oder Biotechnologiebranche. Zudem verfügen diese Unternehmen über riesige Finanzreserven, was sie weniger anfällig gegen Konjunkturschwankungen macht. Zudem schütten viele Blue Chips jährliche Dividenden an die Anleger aus, die diese zusätzlich zu den Kursgewinnen auf der Habenseite verbuchen können.

Wer seine Sicherheit getreu dem Motto "Lege niemals alle Eier in einen Korb" weiter erhöhen möchte, sollte sich mit dem Thema Aktienfonds näher beschäftigen, welche nicht nur in ein Unternehmen investieren, sondern das Risiko durch Aufsplittung in verschiedene Unternehmensanteil breiter streut.

25.09.2020 | 2603 Aufrufe