Warum sind Wertentwicklungen bei ETFs auf einen gleichen Index unterschiedlich?

Die Frage, warum sich die Kursentwicklungen auf ETFs, die auf den gleichen Index abzielen unterscheiden, ist berechtigt. Ein Index-ETF wurde ja schließlich dazu geschaffen, einen Index nachzubilden. Anders ausgedrückt: Der Wert für Anteile an einem Index-ETF sollte unmittelbar von der Kursentwicklung vom zugrundeliegenden Index gesteuert sein. Das ist auch grundsätzlich richtig. Es kommen jedoch viele weitere Faktoren dazu, die den Wert von Anteilen am Index-Fonds beeinflussen.

 

Physische Index-Fonds und Nachbildungen

Einer der Gründe liegt darin, dass einige ETF-Fonds mithilfe von Derivaten und hier hauptsächlich mit Swaps nachgebildet werden, während sogenannte physische ETFs direkt in die in einem Index enthalten Aktien investieren. Bei einem sehr liquiden Markt wie bei den Aktien im Dax, werden sich die swap-basierten und physischen ETFs nur sehr geringfügig voneinander unterscheiden. Die Preisdifferenzen haben dann eher andere Gründe, etwa weil die Fonds eine unterschiedliche Kostenstruktur haben oder weil sie neben der passiven Anlage in die Papiere eines Marktes noch andere aktive Geschäfte wie das Verleihen von Aktien betreiben. Es ist auch möglich dass Fonds zwischendurch Ausschüttungen vornimmt.

 

Es gibt aber auch Indizes in denen deutlich weniger Liquidität vorhanden ist, etwa in Südamerika. Hier ist es teilweise sehr umständlich und vor allem teuer einen swap-basierten ETF zu bilden. Auch, wenn tatsächlich in die Aktien der Unternehmen investiert wird, geschieht dies oft zu nicht ganz fairen Preisen und weil es auf Angebots- und Nachfrageseite mitunter keinen einhundertprozentigen Ausgleich gibt. Die ETFs spiegeln dann den zugrundeliegenden Index maximal näherungsweise wider. Eine Auswahl von physischen ETFs auf den Dax und andere stark nachgefragte Indizes gibt es bei https://www.etfs.de/.

 

Die Total Expense Ratio und Steuern

Die unterschiedlichen Renditen von ETFs kommen auch durch unterschiedliche Kostenstrukturen der Fonds zustande. Vielfach wird hier die Total Expense Ratio (TER) angeführt. Das ist aber nicht ganz richtig, weil in der TER die Transaktionskosten für den Kauf oder Verkauf der Wertpapiere gar nicht enthält. Aber genau die Transaktionskosten sind ein entscheidender Kostenfaktor und sorgen bei verschiedenen Fonds für Preis- beziehungsweise Renditedifferenzen. Das Thema Steuern spielt heutzutage eine eher untergeordnete Rolle. Für deutsche Anleger ist es seit der Einführung der Investmentsteuerreform ziemlich unerheblich, ob der Fonds seinen Sitz in Irland, Luxemburg oder einem anderen EU-Land seinen Sitz hat.

 

Zusätzliche Erträge durch das Verleihen von Wertpapieren

Viele ETFs betreiben neben der Nachbildung der ihnen zugrundeliegenden Indizes auch noch andere Geschäfte, etwa das Verleihen von Wertpapieren. Sie fungieren also als Counterpart für andere derivative Finanzgeschäfte und generieren dadurch weitere Einnahmen aus Leihgebühren oder Zinsen. Natürlich machen das nicht alle ETFs oder zumindest nicht alle in dem gleichen Ausmaß, sodass es auch hier zu unterschiedlichen Bewertungen zwischen unterschiedlichen ETFs kommen kann.

 

Woran erkennt der Privatanleger, welcher ETF besser läuft als andere?

Hierfür können Anleger, zumindest bei den Fonds, die nichts ausschütten, die Charts des ETF über den Chart des Index legen. Je identischer die Chartentwicklungen sind, umso besser ist der Fonds. Am besten wird der vergleich auch über einen längeren Zeitraum durchgeführt. Viele Online-Broker stellen ihren Kunden neben der Handelsplattform auch entsprechende Analysetools zur Verfügung, mit denen solche Auswertungen mit ein paar Handgriffen möglich sind. Außerdem gibt es Schulungsmaterial und sogenannte „Webinare“ zum Erlernen der Handhabung der Tools.

 

Wenn ein Fonds jedoch ausschüttet, sind solche Vergleiche sehr viel schwieriger. Hier müsste der Wert der Ausschüttungen zum Kurs hinzuaddiert werden. Das kommt aber wegen der Transaktionskosten und Steuern nur unzureichend hin und ist für unerfahrene Anleger meist viel zu aufwendig. Hier müssen sich die Anleger dann auf Analysteneinschätzungen verlassen.

01.04.2018 | 10408 Aufrufe